| |
"Dieser
Krieg ist antiamerikanisch"
Junge-Welt-Wochenendgespräch mit Scott Ritter und
Hans Graf von Sponeck über Patriotismus in den USA und deutsche Souveränität,
Lügner im Irak und Spione bei der UNO sowie drei Ratschläge
an Schröder
Herr Ritter, Sie haben sich von einem US-Marine und UN-Waffeninspektor
in einen der führenden Gegner eines neuen Irak-Krieges gewandelt.
Sind Sie jetzt Antiamerikaner?
Scott Ritter: Gott nein, ich bin sehr für Amerika, ich liebe mein
Land und alles, wofür mein Land eintritt. Sie sagen, ich hätte
mich gewandelt? Nein, ich habe mich überhaupt nicht verändert.
Die gleichen Prinzipien, die mich früher als Offizier der Marines
geleitet haben, Integrität, Pflicht, Ehre, Heimat, leiten mich auch
heute. Als Waffeninspektor habe ich nichts getan, was sich gegen Amerika
gerichtet hat. Die damalige Regierungslinie war, den Irak zu entwaffnen.
Aber jetzt wenden
Sie sich doch gegen Ihre Regierung?
Scott Ritter: Ich bin gegen die Politik der Bush-Administration, und ich
war auch gegen die entsprechende Politik der Clinton-Regierung. Nicht,
weil ich gegen, sondern weil ich für Amerika bin.
Wenn sich in Deutschland
jemand gegen diese Politik wendet, gilt er als antiamerikanisch. Was ist
der Unterschied?
Scott Ritter: Ich finde nicht, daß die Deutschen antiamerikanisch
sind. Ich bin gegen diese Politik, weil ich die Verfassung der Vereinigten
Staaten von Amerika gelesen habe, was mir erstens das Recht gibt, offen
zu reden und zweitens mich auch dazu verpflichtet. Denn da steht, die
Regierung ist vom Volk, durch das Volk und für das Volk da. Ich bin
jemand vom Volk. Und ich bin nicht davon überzeugt, was meine Regierung
tut. Ich bin nicht davon überzeugt, daß sie den Prinzipien
unserer Verfassung gerecht wird. Es wird eine Politik verfolgt, die dem
Völkerrecht widerspricht, also widerspreche ich offen. Nicht in einer
antiamerikanischen Weise. Ich spreche für Amerika. Das patriotischste,
was ich derzeit tun kann, ist, mich gegen diesen Krieg auszusprechen.
Denn dieser Krieg ist antiamerikanisch. Die Politik der US-Regierung basiert
auf Lügen. Warum sollten wir einen Krieg gegen den Irak beginnen?
Ihr Präsident
behauptet, er wolle die Amerikaner vor dem internationalen Terror und
Massenvernichtungswaffen schützen.
Scott Ritter: Dann muss er das beweisen. Um welche Massenvernichtungswaffen
handelt es sich, wer hat sie und wo sind sie? Der Irak hat gesagt, die
Inspektoren können zurückkehren. Also kämpfe ich dafür,
dass die Inspektoren wieder ihre Arbeit aufnehmen können, damit wir
mit diesen Massenvernichtungswaffen umgehen können. Was den internationalen
Terrorismus betrifft: Es war nicht Saddam Hussein, der uns am 11. September
2001 angegriffen hat. Saddam Hussein hat keine Verbindungen zu Al Qaida,
das ist ein Fakt. Man sagt, es gehe um den Schutz von Amerika. Aber es
handelt sich um eine nicht vorhandene Bedrohung. Ich frage: Warum der
Irak? Warum jetzt? Je weiter Sie graben, desto mehr finden Sie heraus,
dass es nicht um Terrorismus und auch nicht um Massenvernichtungswaffen
geht, sondern um Imperialismus. Man tarnt es und nennt es "Unilateralismus",
doch es ist nichts anderes als nackte Aggression. Als Amerikaner kann
ich mich nicht einfach zurücklehnen und zulassen, dass meine Regierung
für etwas steht, was wir vor 226 Jahren bekämpften, als wir
uns vom britischen Imperialismus befreiten. Ich will nicht Teil einer
amerikanischen imperialistischen Macht werden.
Sie haben im September
den Irak besucht. Was war Ihr Anliegen?
Scott Ritter: Ich wollte einen Präventivschlag" gegen Präsident
Bush landen, der sich am 8. September mit Tony Blair im texanischen Crawford
traf, wo sie einen Kriegsrat abhalten wollten. Es war ein Sonntag. Sonntags
morgens gibt es im amerikanischen Fernsehen immer Talkshows, und es war
abzusehen, dass die mit Vertretern der Bush-Administration überflutet
werden würden - mit dem Verteidigungsminister, dem Außenminister,
der Nationalen Sicherheitsberaterin - und alle würden für einen
Krieg mit dem Irak werben. Es war kurz vor dem Jahrestag der terroristischen
Angriffen auf Amerika am 11. September. Bush wollte zudem am 12. September
seine Rede vor den Vereinten Nationen halten. Meine Sorge war, dass sie
diese dichte Terminfolge dazu nutzen würden, die öffentliche
Meinung in Amerika hochzupuschen, um einen Krieg zu unterstützen
und somit unvermeidbar zu machen.
Diese öffentliche
Debatte wollte ich für einen Überraschungsangriff nutzen. Ich
wollte etwas tun, was selbst die amerikanischen Medien nicht ignorieren
konnten. Also fuhr ich in den Irak und hielt eine Rede vor der irakischen
Nationalversammlung. Und das war genau richtig. Die amerikanischen Medien
konnten mich nicht ignorieren, und plötzlich bestimmte ich die Nachrichten
an diesem 8. September. Sie mußten sich mit mir auseinander setzen.
Meine Stimme wurde gehört.
Mir ging es darum,
die Inspektionen wieder in Gang zu bringen. Ein Ziel meines Besuches in
Bagdad war, die irakische Regierung davon zu überzeugen, dass sie
die Inspektoren wieder arbeiten lassen muß. Ohne Bedingungen. Damit
wird der Bush-Regierung die Rechtfertigung für einen Krieg genommen.
Fünf Tage, nachdem ich den Irak verlassen hatte, sagte die irakische
Regierung, sie würde die Waffeninspektoren wieder ins Land lassen,
ohne Bedingungen. Ob ich dazu beigetragen habe oder nicht, ich weiß
es nicht. Aber ich war mit mir ziemlich zufrieden. Die Tatsache, dass
wir heute noch immer über die Rückkehr der Inspektoren sprechen
und noch kein Krieg begann, ist schon eine Art Sieg.
Glauben Sie, dass
der neue Leiter der UN-Waffeninspekteure, Hans Blix, und sein Team im
Irak eine gute und ehrliche Arbeit leisten können?
Scott Ritter: Für die Inspektoren sind zwei Dinge wichtig. Es bedarf
der vollen Bereitschaft zur Zusammenarbeit seitens der irakischen Regierung,
sonst geht es nicht. Irak muß einsehen, dass es keine zweite Chance
geben wird, wenn sie wieder versuchen, die Inspektoren an der Nase herumzuführen.
Zum anderen müssen die Inspektoren für den Sicherheitsrat und
dessen Abrüstungspolitik arbeiten. Unglücklicherweise wurden
die Inspektoren in der Vergangenheit von den USA benutzt. Sie sollten
Informationen über Saddam Hussein sammeln. Es wurden Provokationen
lanciert, um Militärschläge auszulösen. So etwas ist unakzeptabel.
Es wird an den Irakern und an der amerikanischen Regierung liegen, ob
die Inspektoren dieses Mal erfolgreich arbeiten können. Hans Blix
kann die irakische Regierung nicht kontrollieren, aber er kann "Nein"
sagen, wenn die USA versuchen, die Inspektionen zu manipulieren. Er hat
gesagt, er werde sich wie ein internationaler Beamter verhalten, anders,
als sein Vorgänger Richard Butler, der ein Werkzeug der amerikanischen
Außenpolitik war.
Ich bin allerdings
etwas in Sorge, denn in den letzten Wochen hat Hans Blix einige sehr beunruhigende
Dinge getan: Zunächst sagte er, die Inspektoren könnten am 19.
Oktober wieder an die Arbeit gehen. Dann haben sich die USA über
Außenminister Colin Powell eingemischt und gesagt, die Inspektoren
würden nicht zurückkehren, bevor nicht eine neue Resolution
da sei. Doch Hans Blix arbeitet für den Sicherheitsrat, nicht für
die USA! Warum hat er dem zugestimmt? Außerdem hat Hans Blix kürzlich
zugelassen, dass man ihn ins Weiße Haus zum US-Präsidenten
einbestellte. Für wen also arbeitet Hans Blix, für den Sicherheitsrat
oder für die USA?
Hans tendiert dazu,
sich amerikanischem Druck zu beugen. Die Folge ist, dass die Inspektoren
bis heute nicht in den Irak zurückgekehrt sind. Er muß verstehen,
dass sich dieser Druck erhöhen wird, sobald die Inspektoren zurückkehren.
Dagegen muss er sich wehren. Er muss das internationale Recht verteidigen.
Die Möglichkeit, dass die Inspektoren benutzt werden, um eine Krise
herbeizuführen und den USA die Möglichkeit zu geben, einen Krieg
zu beginnen, ist sehr hoch.
Sie haben kürzlich
gesagt, es brauche einen "ehrlichen Vermittler" für den
Irak. Wer könnte diese Arbeit leisten und mit welchem Ziel?
Scott Ritter: Die Inspektoren betrachten die Iraker als Betrüger
und Lügner, und die Iraker sehen in den Inspektoren Schwindler und
Spione. Beide Seiten haben guten Grund für ihre Sicht. Wir brauchen
daher einen vertrauensbildenden Mechanismus, einen "ehrlichen Makler",
der zwischen beiden Seiten vermittelt. Wenn der Irak die Inspektoren beschuldigt,
Spionage zu betreiben, kann der "ehrliche Vermittler" sich das
ansehen und sagen, nein, sie machen ihren Job gut. Und wenn die Inspektoren
die Iraker beschuldigen, nicht zu kooperieren, kann der "ehrliche
Vermittler" sich das ansehen und sagen, nein, sie sind zur Zusammenarbeit
bereit. Es ist ein Filter, der Missverständnisse vermeiden hilft.
Unglücklicherweise haben die Inspektoren ja nicht mehr die Glaubwürdigkeit,
die sie eigentlich verdienen.
Kanada und Südafrika
haben schon Bereitschaft für solch eine Vermittlung signalisiert.
Vielleicht sollte auch ein Land aus der Europäischen Union dabei
sein, Belgien zum Beispiel. Es geht darum, ein Land oder eine Gruppe von
Ländern zu finden, die sich der UN-Charta und dem Völkerrecht
verpflichtet fühlen.
Es gibt Unstimmigkeiten zwischen der US-Führung und der Bundesregierung
hinsichtlich eines Irak-Krieges. Hat das Auswirkungen auf die öffentliche
Meinung in den USA?
Scott Ritter: Es ist absolut lächerlich, wie sich die Bush-Regierung
gegenüber Deutschland äußert. Deutschland hat nichts anderes
getan, als zu zeigen, daß es ein demokratisches Land ist. Deutschland
ist ein souveräner Staat, und es war der demokratische Wille des
Volkes, dass dieser Krieg nicht unterstützt werden soll. Die Bevölkerung
in den USA hat sehr aufmerksam verfolgt, was in Deutschland während
der Wahlen geschah. Die Opposition gegen den Krieg in Deutschland spielte
eine wichtige Rolle in unseren Medien. Einer unserer engsten Verbündeten,
Deutschland, ist gegen den Krieg! Warum, warum, warum, was ist da los,
waren die dominierenden Fragen? Einfach zu sagen, wir dürfen nicht
gegen den Krieg sein, weil wir die Amerikaner nicht verärgern wollen,
bedeutet, die Amerikaner im Stich zu lassen. Wenn Sie ein Freund Amerikas
sind, müssen Sie aufstehen und sagen, woran Sie glauben und müssen
tun, was Sie für richtig halten. Wenn Deutschland sich einfach blind
der US-Politik anschließen würde, kann es auch gleich die deutsche
Fahne mit der amerikanischen austauschen, dann wären Sie nichts anderes
als eine amerikanische Kolonie. Wollen Sie ein souveräner Staat sein,
dann müssen Sie auch für Ihre Position einstehen. Seien Sie
ein Freund Amerikas. Freunde helfen sich in schweren Zeiten. Wenn es für
uns in Amerika patriotisch ist, den US-Präsidenten zu kritisieren,
dann ist es auch richtig für unsere Freunde in Deutschland, den US-Präsidenten
zu kritisieren.
Herr von Sponeck,
bei der Berichterstattung über den Irak-Konflikt sprechen Sie von
einer "Achse der Falschinformation". Was veranlasst Sie zu dem
schweren Vorwurf?
Hans von Sponeck: Was heute als "Fakten über den Irak"
präsentiert wird, entspricht nicht der Wahrheit. Das läßt
sich belegen, sonst würde ich den Vorwurf auch nicht erheben. So
wird immer wieder versucht, den Irak mit Al Qaida in Verbindung zu bringen.
Der einzige Ort im Irak, wo Al Qaida wahrscheinlich präsent ist,
ist der kurdische Teil, der außerhalb der Kontrolle Bagdads liegt.
Von den kurdischen Führern hört man, dass dort höchstens
ein paar Dutzend versprengter Al-Qaida-Kämpfer in einer fundamentalistischen
Gruppe, Ansar al-Islam, sind. Für die vielen Al-Qaida-Mitglieder,
die US-Angaben zufolge angeblich in Bagdad frei herumlaufen, gibt es keinen
Beweis. Auch Diplomaten in Bagdad sagen das. Alle Versuche, den Irak für
die Angriffe auf die US-Botschaften in Nairobi und Daressalam verantwortlich
zu machen, haben sich als falsch erwiesen. Der Angriff auf das Schiff
"Cole" war jemenitischen Ursprungs und hatte mit dem Irak nichts
zu tun. Bei Anschlägen mit Milzbrandpulver deutet alles darauf hin,
dass es amerikanischer, nicht irakischer Herkunft war. Die Verbindung
zwischen einem Angehörigen des irakischen Geheimdienstes und einem
Terroristen vom 11. September in Prag ist auch peinlich ausgegangen. Der
tschechische Präsident hat kürzlich erklärt, die ganze
Sache geht auf einen Konkurrenzkampf verschiedener tschechischer Geheimdienste
zurück, die ihren ausländischen Kollegen zeigen wollten, wie
gut sie sind. Alle Versuche, Bagdad mit dem Terrorismus in Verbindung
zu bringen, sind zusammengebrochen.
Leider ist es so,
dass besonders die US-Presse - Washington Post, New York Times, Wall Street
Journal - mehr oder weniger zum Lautsprecher der amerikanischen Regierung
geworden ist. Fakten und Mythen, Zeiten und Orte werden vermischt, so
dass beispielsweise der Eindruck entsteht, der entsetzliche Giftgaseinsatz
gegen die Kurden 1988 habe im letzten Jahr stattgefunden. Mit solchen
Verzerrungen wird bewußt ein Feindbild aufgebaut, das in keiner
Weise der Wahrheit entspricht. Man will einen Psychokrieg führen,
um die Öffentlichkeit zu beeinflussen.
Glauben Sie, die Bundesregierung wird bei ihrer Position bleiben, an
einem US-Krieg gegen Irak nicht teilzunehmen?
Hans Graf von Sponeck: Die Bundesregierung hat nicht viel Spielraum: Nach
Artikel 26 des Grundgesetzes und Paragraph 80 des deutschen Strafgesetzbuches
ist ein Präventivkrieg, also ein Angriffskrieg, strafbar. Die Bundesrepublik
kann sich gar nicht aktiv einschalten. Enttäuschend wäre, wenn
die Bundesrepublik aus außenpolitischen Interessen durch die Hintertür
einsteigt, zum Beispiel mit flankierenden, unterstützenden Maßnahmen.
Bundeskanzler Gerhard Schröder muß jetzt auch sagen, dass der
Verweis auf Artikel 5 des NATO-Vertrages für die Bundesrepublik nicht
akzeptabel ist, weil es sich nicht um Selbstverteidigung handelt. Ebenso
ist Artikel 51 der UNO-Charta anwendbar. Den USA geht es geht ja nicht
darum, die Aggression eines anderen Landes zu beantworten. Besonders diejenigen,
die Schröder zur Wiederwahl verholfen haben, erwarten von ihm eine
klare Aussage, dass deutsches Gebiet nicht für einen Krieg genutzt
werden kann, falls sich die Amerikaner entscheiden, einen solchen zu führen.
Wenn Sie heute
Berater von Gerhard Schröder und Joseph Fischer wären, was würden
Sie ihnen denn raten?
Hans Graf von Sponeck: Ausgangsposition muß die Erinnerung an das
Versprechen sein, dass nie wieder ein Krieg von deutschem Boden aus geführt
werden darf. Zweitens sollte Herr Fischer den Dialog auf drei verschiedenen
Ebenen fördern. Erstens im Sicherheitsrat, wo wir eine große
Chance haben, weil Deutschland ab Januar 2003 dort vertreten ist. Dort
muss auch über anderes gesprochen werden, auch mit den Irakern: Wie
steht es um die lokale Autonomie der Kurden und die gerechte Mittelverteilung
der Ölgelder? Wann können bei Kooperationen in der Abrüstung
die Wirtschaftssanktionen aufgehoben werden? Welche Garantien wird es
für die Kurden geben? Die Bundesregierung kann ihren Einfluß
zugunsten eines Dialogs geltend machen. Deutschland kann auch den Dialog
mit und in der Arabischen Liga unterstützen und sicherstellen, dass
die arabischen Regierungen die Chance haben, ohne Druck von draußen
ihre Gespräche zu führen. Die Bundesrepublik kann ihre relativ
engen Beziehungen mit dem Iran nutzen, damit Iran und Irak ihre Friedensverhandlungen
weiterführen und einen Friedensvertrag abschließen.
Drittens sollten Europa
und Deutschland versuchen, den innerirakischen Dialog vorwärts zu
bringen, statt ihn zu boykottierten, wie das von den Amerikanern immer
wieder der Fall gewesen ist. Die USA haben die Kurden davon abgehalten,
mit Bagdad im Dialog zu bleiben. Die Kurden wissen ganz genau, wo ihre
Zukunft liegt. Man soll ihnen die Möglichkeit geben, mit ehrlichen,
flankierenden Unterstützungsmaßnahmen solche Gespräche
zu führen.
Die Iraker wissen
ganz genau, dass sie eine allerletzte Karte in der Hand haben. Wir können
heute davon ausgehen, dass sie kooperieren wollen. Die Iraker werden mitmachen,
wenn man ihre Würde respektiert und eine friedliche Konfliktlösung
herbeiführen will. Sie wollen dieses Kapitel endlich hinter sich
bringen. Wenn man das versteht, wird man einen Weg finden. Es sei denn,
man hat gar kein Interesse an einer friedlichen Lösung im Mittleren
Osten.
Herr Ritter, kann
der Krieg gegen den Irak noch verhindert werden?
Scott Ritter: Die Zeit wird knapp, die Lage ist sehr kritisch. Doch wenn
die Inspektoren in den Irak zurückkehren und arbeiten können,
ohne dass sich die irakische oder die US-Regierung einmischen, dann wird
es für die USA schwierig werden, weiterhin einen Krieg zu propagieren.
Ein Grund, warum die Bush-Administration auf einen schnellen Krieg drängt,
ist das kleine Zeitfenster. Es gibt nur eine kurze Phase von Dezember
bis März. Wenn es bis März keinen Krieg gibt, haben wir eine
gute Chance, dass es gar nicht zum Krieg kommt. Insofern gibt es Hoffnung,
diesen Krieg verhindern zu können. Ich bin nicht sehr zuversichtlich,
aber es gibt Hoffnung.
Interview: Karin Leukefeld, aus: Junge Welt 09.11.2002
|
|