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press - März 2003 (wem das hier zu lang ist, um es am Bildschirm zu lesen, dem oder der empfehlen wir, es mit dem "Drucken"-Button des Browsers auszudrucken und in Ruhe in der Sonne (falls ihr eine findet) im Garten zu lesen, oder ihr kauft euch das Heft, dann gibt's auch schöne Bilder dazu. Das Heft könnt ihr dann natürlich auch in der Sonne im Garten lesen) |
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"Aktion Zamosc"
- 2. Teil Mit dem Krieg gegen die Sowjetunion hatten die deutschen Okkupanten ihre Zielstellung für das "Generalgouvernement" (GG) entscheidend verändert. War bis dahin verkündet worden, das Gebiet sei "Heimstätte des polnischen Volkes", sollte es nun im Verlaufe von 15 bis 20 Jahren ein "rein deutsches" Land werden. Hatte es bis dahin dazu gedient, die aus Deutschland und den annektierten Gebieten "hinausgesäuberten" Juden und Polen aufzunehmen, sollte es nun "entjudet" werden. Das bedeutete das Todesurteil für die dort zusammengepferchten Juden. "Generalgouverneur" Hans Frank hielt es für zweckmäßiger, mit der Aussiedlung erst nach dem Krieg zu beginnen. Er warnte davor, Unruhe "hereinzubringen": "Wir müssen mit brutaler Hand dort zuschlagen, wo Gefahren drohen; aber auf weite Sicht große volkspolitische Experimente zu machen, ist im Augenblick nicht angängig. Unlängst hat Reichsmarschall Göring gesagt: Es ist wichtiger, daß wir den Krieg gewinnen als Rassenpolitik durchsetzen. Wir müssen heute froh sein über jeden Polen, den wir in der Werkstätte haben. Ob der Pole oder der Jude uns paßt oder nicht, spielt jetzt keine Rolle; wichtig ist nur, daß er indirekt im Dienste des deutschen Volkes steht." Der Reichsführer
SS Heinrich Himmler wollte nicht bis zur vollständigen "Eindeutschung"
der annektierten Gebiete Polens warten und leitete im März 1941 die
"Vorplanung" der Aussiedlungen ein. Die Zielstellung war, den
gesamten Distrikt Lublin mit deutschen bzw. nordischen Kolonisten zu besiedeln
und die Polen allmählich wirtschaftlich und biologisch zu erdrücken.
Als erstes wurde die unter der Losung "Heim ins Reich" laufende
Rücksiedlung deutscher Bauern aus dem Osten in das Wartheland eingestellt. Bei der Wahl von Zamosc spielte der hohe Anteil jüdischer Bevölkerung eine große Rolle. Sie sollten nach einer Anweisung Himmlers bis 31.12.1942 vollständig ermordet bzw. in Ghettos gefangengesetzt sein. Die Entscheidung zur sofortigen Besiedlung des Kreises Zamosc 1942 fällte Himmler auch unter dem Druck überfüllter Umsiedlerlager. Etwa 10000 "Heim ins Reich!" gelockte oder gezwungene "Bessarabien- und Buchlanddeutsche" hatten nicht, wie ihnen versprochen, in Danzig-Westpreußen oder Oberschlesien angesiedelt werden können. Mit dem SS- und Polizeiführer
des Distrikts Lublin, Odilo Globocnik, verfügte Himmler vor Ort über
einen ebenso fanatischen wie skrupellosen Verfechter seiner Ideen einer
"Germanisierung des Bodens". Zamosc sollte nicht nur "Himmlerstadt"
heißen, sondern Himmlers Stadt werden. Globocnik war später
(1942/43) Leiter des "Einsatzes Reinhard", das heißt des
Völkermordes an den Juden in den drei Vernichtungsstätten Treblinka,
Sobibór und Belzec. Diese unterstanden ihm persönlich und
nicht der Inspektion der Konzentrationslager wie das ebenfalls im Distrikt
Lublin gelegene Konzentrationslager Majdanek. Neben den "Deutschstämmigen" waren zunächst jene "volksdeutschen" Umsiedler vorgesehen, die bereits in den Lagern der "Einwanderer-Zentralstelle" (EWZ) warteten (sogenannte Ostfälle), vor allem aus Bessarabien (4000), Rumänien (3000), dem Leningrader Gebiet (6000), den baltischen Ländern (10000), der Bukowina (3000) und Serbien (1000). Später sollten "Kroatiendeutsche" aus Bosnien, "eindeutschungsfähige Slowenen", "Bulgariendeutsche" und 2500 Flamen (Holländer) zur Ansiedlung "bereitgestellt" werden. Von den vorgesehenen
rund 60000 Ansiedlern wurden bis zum endgültigen Abbruch der "Aktion
Zamosc" knapp 9000 in 126 Dörfern angesiedelt, die sich auf
elf Hauptdorfbereiche verteilten: Komarów, Krasnobrod, Miaczyn,
Rachanice, Ruskie Piaski, Skierbieszów, Szczebreszyn, Tarnawatka,
Tomaszów Lubelski, Werszczyna und Zamosc. Diese Ansiedler kamen
aus Bessarabien bzw. Polen ("Volksdeutsche" bzw. "Deutschstämmige"),
nur sehr wenige direkt aus Deutschland ("Reichsdeutsche"). Zum bewaffneten Widerstand
gegen die Massenaussiedlung der polnischen Bauern strömten Partisanengruppen
der Bauernbataillone (BCh) und der Volksgarde (GL) in das Gebiet. Selbst
die Landesarmee (AK) brach mit ihrem Grundsatz, bis zu einem Aufstand
"Gewehr bei Fuß" zu stehen. Die Partisanen und die flüchtigen
Bauern bekämpften vor allem die deutschen Ansiedler und suchten sie
wieder zu vertreiben. Im Maße eigenen Erstarkens lieferten sie den
eingesetzten Polizeikräften Gefechte und schützten schließlich
sogar Ortschaften vor ihnen. Da die bewaffneten
Widerstandsbewegungen vorzugsweise die mit volksdeutschen Siedlern besetzten
Dörfer angriffen, umgaben die Okkupanten die deutsch besiedelten
Dörfer zu deren Schutz mit einem Kranz von ukrainischen Dörfern.
Zu diesem Zweck wurde im Dezember 1942 bzw. im Februar 1943 je eine besondere
sogenannte Ukraineraktion durchgeführt. Polnische Dörfer wurden
evakuiert, um Platz für ukrainische Bauern zu schaffen, vor allem
im Kreis Hrubieszów. Die deutschen Okkupanten spekulierten auf
die nationalen Gegensätze und schürten sie, wo nur möglich.
So trugen sie zu jenem mörderischen Krieg bei, der seit 1943 von
den Nationalisten der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) gegen
die polnische Bevölkerung entfesselt worden war. Dieser Krieg der
UPA gegen das polnische Volk tobte im Winter 1943/44 im Kreis Zamosc besonders
heftig, es war ein Bürgerkrieg um Siedlungsboden zwischen verfeindeten
Völkern. Doch auch die eingesetzten Wehrmachtkräfte konnten den Widerstand nicht brechen. Im Vordergrund der Angriffe standen die deutsch besiedelten Dörfer, die immer häufiger angezündet wurden. Andere Überfälle richteten sich auf Eisenbahntransporte und zunehmend auf die gesamte Infrastruktur, damit wollten die Partisanen die Ernteerfassung verhindern. Im Sommer 1943 wurden die bewaffneten Ernteerfassungskommandos von den Partisanen attackiert. Neben den Angriffen auf deutsche Polizeiposten gingen die Widerstandsgruppen seit 1943 verstärkt dazu über, die mit den deutschen Okkupanten kollaborierenden ukrainischen und polnischen Polizisten zu liquidieren. Schließlich war die Widerstandsbewegung im Distrikt Lublin so erstarkt, daß sie geschlossene Abteilungen der Polizei in verlustreiche Gefechte verwickeln konnte. Am 30. Juni 1943 erklärte Himmler das gesamte GG neben anderen besetzten Teilen Europas zum "Bandenkampfgebiet". Die Niederlage der
Wehrmacht in Stalingrad beflügelte den Widerstand gegen die Aussiedlungen.
Doch sie hatte offenkundig noch nicht ausgereicht, um die deutschen Okkupanten
zu zwingen, auf völkermörderische Experimente wie die "Aktion
Zamosc" zu verzichten. Um deren Abbruch zu erzwingen, bedurfte es
noch der Niederlage der Wehrmacht bei Kursk und des endgültigen Verlustes
der Fähigkeit zur strategischen Offensive. Aus Mangel an Polizeikräften
mußte Globocnik am 15. August 1943 die "Aktion Werwolf II"
abbrechen. Diese Polizeikräfte schlugen nämlich gerade den Ghettoaufstand
in Bialystok nieder. Dies war unwiderruflich das Ende der "Aktion
Zamosc". Auch die sogenannte Sickersiedlung als unauffälligere
Form der Eindeutschung mußte eingestellt werden. Himmler mußte
Globocnik als Distriktpolizeichef und dann auch Krüger als Höheren
SS- und Polizeiführer Ost ablösen. In den geräumten Dörfern wurden rund 9000 "volksdeutsche" Siedler in 126 Ortschaften angesiedelt, vor allem aus Bessarabien. Als die Rote Armee nur noch 80 Kilometer entfernt stand, mußten die letzten dieser deutschen Neusiedler den Kreis Zamosc räumen. Sie hatten ihre neue Existenz auf der Aussiedlung der Polen begründen wollen. Nun wurden sie die Opfer jener Politik, als deren Speerspitze im "Volkstumskampf" sie figuriert hatten. Zamosc wurden im Juli 1944 von der Roten Armee befreit. Quellen: |